Fragen und Antworten für Bundesländer
1. Gewinne für Schülerinnen und Schüler 1.1 Welchen Gewinn bringen Fellows den Schülerinnen und Schülern? Die Fellows bringen zusätzliche Angebote an die Schulen und erhöhen die Kapazitäten zur Arbeit in kleineren Lerngruppen. Sie haben den Willen und die Zeit, zu vielen Schülern hilfreiche Beziehungen aufzubauen. Dass sie jung sind und keine Lehrer, erleichtert den Zugang zu den Schülern. Viele Fellows haben besonders vorbildkräftige Erfahrungen gemacht, die die Schüler interessieren und motivieren. Die Fellows sind sich sehr bewusst, welche Faktoren ihrer eigenen Entwicklung förderlich waren und sind überzeugt von den schlummernden Talenten vieler Schüler. Sie möchten Schülern zusätzliche Aufmerksamkeit, Einfühlung und Hilfestellung geben, sie durch fachliche Begeisterung und großes Zutrauen in die Schüler mitreißen. 1.2 Wie wird die Qualität der Arbeit der Fellows kontrolliert? Fellows werden von ihren Tutoren hospitiert und laufend beraten, wie sie ihre pädagogischen und didaktischen Fähigkeiten weiterentwickeln können. SchulleiterInnen und MentorInnen hospitieren ebenfalls. Häufig arbeiten Fellows zusammen mit einem Lehrer im sogenannten Teamteaching, wobei der erfahrene Lehrer gleichzeitig die Arbeitsweise des Fellows begleitet. Auch im Rahmen der externen Evaluation des gesamten Programms finden Hospitationen statt. Fellows vereinbaren mit ihren Schülern Lernziele und dokumentieren deren Erreichen. Andere Arbeitsergebnisse der Fellows zeigen sich im Schulalltag (Schülerfirmen, neue AGs.) Die Wirkung von Förderunterricht, Hausaufgabenclubs, MSA-Vorbereitungskursen, Bewerbungsplanung etc. zeigt sich an eintretenden bzw. ausbleibenden Erfolgen. 2. Auswahl der Fellows 2.1 Welche persönlichen Eigenschaften, Kenntnisse und Fähigkeiten müssen Fellows mitbringen? Erforderlich ist eine gute Mischung verschiedener Qualitäten in ausreichend starker Ausprägung. Fellows benötigen gute bis sehr gute Fachkenntnisse, mindestens ein langfristig praktiziertes geistiges oder praktisches Interesse (Jugendarbeit, Musik, Sport, Politik etc.), sollten Einsatzbereitschaft und Durchhaltevermögen bewiesen haben, kritikfähig sein, reflektiert und vorurteilsarm. Sie müssen einfach, sicher und verständlich kommunizieren, Kinder und Jugendliche mögen und sie respektieren. Pädagogische Tätigkeiten, Lehr- oder Leitungserfahrung sind hilfreich, ebenso praktische Fertigkeiten aller Art. 3. Qualifizierung der Fellows 3.1 Wie werden die Fellows qualifiziert? Vor Beginn ihrer Arbeit an Schulen und begleitend durchlaufen die Teach First Deutschland Fellows eine intensive pädagogische Qualifizierung und Weiterbildung. Qualifizierung vor dem Programmstart
Im ersten Jahr liegt der Schwerpunkt der Fortbildung auf der Weiterentwicklung der pädagogischen und didaktischen Fähigkeiten.
4. Einsatz der Fellows 4.1 Welche Aufgaben können die Fellows in den Schulen übernehmen? Sie können im Unterricht mitarbeiten (Teamteaching, Teilungsunterricht, Assistenz), Gruppen- und Einzelförderung geben, Bewerbungstraining und Berufswahlkurse anbieten, fachliche Nachmittagsprojekte und musische oder handwerkliche Arbeitsgemeinschaften, Sportkurse, Hausaufgabenbetreuung, bei der Schulentwicklung mitarbeiten (Schulprogramm, Intranet, Schülervertretung), Schülerfirmen betreuen, Exkursionen, Reisen und "Lernen an anderem Ort" organisieren. Nur in Ausnahmefällen sollen die Fellows Vertretungsunterricht geben. Ein möglichst großer Teil der übernommenen Aufgaben soll direkt der Förderung von Schülerinnen und Schülern dienen. 4.2 Wie sehen beispielhafte Einsatzprofile des ersten Fellow-Jahrgangs aus? Fellow A, Wochenplan 3h Englisch 10. Klasse, Teamteaching 3h Englisch 9. Klasse, Teamteaching 4h Mathematik 9. Klasse 2h MSA-Vorbereitung Englisch 3h MSA-Vorbereitung Mathematik 1h Sozialstation 1h Kunst (Assistenz) 2h Hausaufgabenclub 2h Streitschlichtung 1h Einzelgespräche, Coaching zum Hauptschulabschluss für schwache Schüler 3 Pausenaufsichten Fellow B, Wochenplan 4h Gesellschaftslehre 9. Klasse, Teamteaching 2h Sport (Trainingsraum) 3h Sprachförderung 6.Klasse, Teamteaching 3h Nachhilfeaktion "Schüler helfen Schülern" 2h Deutsch 7. Klasse, Teamteaching, Einzelförderung 2h Unterstützung SV 1h Vorlesen 5./6. Klasse 1h Leseförderung, Einzelförderung 2h Konferenzen Außerdem Elterngespräche, Hausbesuche Fellow C, Wochenplan 4h Englisch 9. Klasse 4h Mathematik Förderunterricht in zwei 5. Klassen 3h Englisch 10. Klasse, Teamteaching 2h Englisch 9. Klasse, Teilungsunterricht 2h Deutsch Förderunterricht 9. Klasse 3h Gesellschaftslehre,Teamteaching 1h Hospitation Gesellschaftslehre 2h SV Unterstützung 2h AG "Afrika erleben" 1h AG "Kleine Umweltaktionen" 1h Schülerberatung Außerdem Betreuung von Schülerpraktika, Berufsberatung, Betreuung Jumpstyle Crew, Anleitung älterer Schüler zum Erteilen von Förderunterricht Fellow D, Wochenplan 4h Englisch 7. Klasse, schwächere Schüler 2h Besprechung Umgang 7. Klasse mit Sozialpädagogin 2h Arbeitsstunden 7. Klasse 2h Mathematik 7. Klasse, Kleingruppenförderung 2h Englisch 8. Klasse, Förderunterricht stärkere Schüler 2h Europa-Kurs 10. Klasse 4h Bereitschaft im Berufsorientierungsbüro 3h Deutsch, 6. Klasse, Leseförderung 2h Deutsch, 5. Klasse (Teil), Förderunterricht 2h Berufsvorbereitung 9.Klasse 2h Schülerzeitung 1 Pause: Vorlesen 5./6. Klasse 4.3 Dürfen die Fellows ähnlich wie Vertretungslehrer eingesetzt werden? Grundsätzlich nicht. Fellows müssen ihre Schüler, um sie effektiv fördern zu können, regelmäßig, über einen längeren Zeitraum und möglichst häufig sehen. Für Vertretungsunterricht sollen sie nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. 4.4 Wodurch unterscheiden sich Fellows von Lehrern? Die meisten Fellows haben kein Lehramtsstudium absolviert, sondern ein Fachstudium. Ihre anfänglichen Pädagogik- und Didaktik-Kenntnisse haben sie in der dreimonatigen Teach First Deutschland Qualifizierungsphase (Online-Campus, Sommerakademie, Schulpraktikum) und unterschiedlichen praktischen Tätigkeiten (Sprachlehrer, Nachhilfe, Jugendgruppenleitung, Sporttrainer, Tutor, Reiseleiter, Straßenkinderarbeit) erworben. Die Fellows werden kontinuierlich hospitiert und beraten und fortgebildet. Die Tätigkeit der Teach First Deutschland Fellows enthält viele Elemente der Tätigkeit von Lehrern, in anderer Gewichtung. Dasselbe gilt für die Motivation. Teach First Deutschland Fellows haben sich für ihre zweijährige Arbeit mit den Schülern entschieden, weil sie überzeugt sind, dass viele Schüler mehr Unterstützung brauchen als verfügbar ist, um einen Schulabschluss zu erreichen. Sie sind besonders stark geprägt und geleitet von der Vision, alle Schüler "mitzunehmen", für jeden Schüler Lernwege zu finden, benachteiligten Schülern zu helfen, überwindbare Lernhemmnisse zu meistern. Enthusiasmus und Berufsanfängerschwung gepaart mit dem Bewußtsein der zeitlichen Begrenztheit ihres Einsatzes verleihen den Fellows große Kraft und außergewöhnliche Einsatzbereitschaft. Sie verbringen mehr Zeit mit den Schülern bei außerunterrichtlichen Aktivitäten als Lehrer, ohne direkten Lern- und Notendruck, was die Entstehung vertrauensvoller Beziehungen begünstigt und erleichtert. Die Mischung der konkreten schulischen Aufgaben von Fellows lässt mehr Raum für Gespräche, Einzelförderung, Ausprobieren frischer Ideen und originelle Aufbereitung von Unterrichtsstoff als der Arbeitsalltag der meisten Lehrer. Fellows sind meistens weniger als die Hälfte ihrer Anwesenheitszeit an der Schule im Klassenunterricht tätig. 5. Nach den zwei Jahren an der Schule 5.1 Welche beruflichen Wege schlagen Fellows nach den zwei Jahren ein? (Erfahrungen aus den USA und England)? In England (Teach First UK) bleibt ungefähr die Hälfte aller Fellows langfristig im Bildungssektor, in Amerika (Teach For America) 66%, davon knapp die Hälfte als reguläre Lehrer. Letzteres ist in Deutschland nur nach Erwerb der Lehramtsbefähigung möglich. Bis zu 8% der amerikanischen Teach For America Fellows ergreifen juristische Tätigkeiten, 4% gehen in die Wirtschaft. 5.2 Was passiert nach den zwei Jahren eines Fellows mit seinen Projekten? Geplant ist, dass zu Beginn des zweiten Einsatzjahres eines Fellows bereits (mindestens) ein weiterer Fellow an die Schule kommt, so dass die Einsatzphasen sich überschneiden und der nachfolgende Fellow einen Teil der Arbeit des Vorgängers weiterführen kann. Auch wenn der nächste Fellow erst nach zwei Jahren eingesetzt wird, kann ein Teil der Aufgaben des Vorgängers weitergeführt werden. 5.3 Welche langfristige Wirkung hat der Schuleinsatz der Fellows? Langfristig tragen ehemalige Fellows zu einer Vernetzung von Schulen, Wirtschaft und Gesellschaft bei, indem sie sich auch aus ihren späteren gesellschaftlichen Positionen kenntnisreich für die Belange von benachteiligten Schülerinnen und Schülern einsetzen. 6. Die Finanzierung des Programms 6.1 Wer trägt die Kosten des Programms? Unternehmen, Stiftungen und private Förderer bezahlen die Kosten, die für Anwerbung und Auswahl der Fellows, die Qualifizierung, die Öffentlichkeitsarbeit und die Verwaltung entstehen. Die Gehälter der Fellows werden von den jeweiligen Bundesländern aus Sondermitteln oder aus frei einsetzbaren Budgets von Schulen oder Schulträgern finanziert. 7. Rechtliche Fragen 7.1 Werden Fellows verbeamtet? Während des zweijährigen Schuleinsatzes sind Fellows im Angestelltenverhältnis tätig. Grundsätzlich wird eine Vereinbarung zwischen Teach First Deutschland, der Schule, an der der jeweilige Fellow eingesetzt wird, und dem Fellow geschlossen. Eine Verbeamtung ist während der Einsatzzeit ausgeschlossen. 8. Ansprechpartner Wenn Sie weitere Fragen haben, können Sie sich an Esther Werth oder Caspar von Schoeler wenden. |