Schulen
1. Verstärkung, Entlastung und Neues 1.1 Welche Aufgaben können Fellows übernehmen? Sie können im Unterricht mitarbeiten (Teamteaching, Teilungsunterricht), Gruppen- und Einzelförderung geben, Bewerbungstraining und Berufswahlkurse anbieten, fachliche Nachmittagsprojekte und musische oder handwerkliche Arbeitsgemeinschaften, Sportkurse, Hausaufgabenbetreuung, bei der Schulentwicklung mitarbeiten (Schulprogramm, Intranet, Schülervertretung), Schülerfirmen betreuen, Exkursionen, Reisen und "Lernen an anderem Ort" organisieren. Nur in Ausnahmefällen sollen Fellows Vertretungsunterricht geben. Ein möglichst großer Teil der übernommenen Aufgaben soll direkt der Förderung von Schülerinnen und Schülern dienen. Beispiele für Einsatzprofile des Fellow-Jahrgangs 2009: siehe Frage 4.2. 2. Gewinn für Schülerinnen und Schüler 2.1 Welchen Gewinn bringen Fellows den Schülerinnen und Schülern? Die Fellows bringen zusätzliche Angebote an die Schulen und erhöhen die Kapazitäten zur Arbeit in kleineren Lerngruppen. Sie haben den Willen und die Zeit, zu vielen Schülern hilfreiche Beziehungen aufzubauen. Dass sie jung sind, erleichtert den Zugang zu den Schülern. Viele Fellows haben besonders vorbildkräftige Erfahrungen gemacht, die die Schüler interessieren und motivieren. Die Fellows sind sich sehr bewusst, welche Faktoren ihrer eigenen Entwicklung förderlich waren und sind überzeugt von den schlummernden Talenten vieler Schüler. Sie möchten Schülern zusätzliche Aufmerksamkeit, Einfühlung und Hilfestellung geben, damit sie Hemmnisse überwinden und ihr Schulerfolg wächst. Die hohe Leistungsfähigkeit der Fellows, ihre Originalität und außergewöhnliche Begeisterung für ihre Aufgabe sind günstige Voraussetzungen, mit den Schülern viel zu erreichen. 2.2 Werden Lernerfolge nachgewiesen? Ja. Die Fellows vereinbaren individuelle Lernziele mit ihren Schülern, deren Erreichen sie zusammen mit ihnen verfolgen und dokumentieren. 2.3 Wie wird die Qualität der Arbeit der Fellows kontrolliert? Fellows werden von ihren Tutorinnen und Tutoren hospitiert und laufend beraten, wie sie sie ihre pädagogischen und didaktischen Fähigkeiten weiterentwickeln können. Schulleiterinnen und Schulleiter und Mentorinnen und Mentoren können ebenfalls hospitieren. Häufig arbeiten Fellows zusammen mit einem Lehrer im sogenannten Teamteaching, wobei der erfahrene Lehrer gleichzeitig die Arbeitsweise des Fellows begleitet. Auch im Rahmen der externen Evaluation des gesamten Programms finden Hospitationen statt. Fellows vereinbaren mit ihren Schülern Lernziele und dokumentieren deren Erreichen. Andere Arbeitsergebnisse der Fellows zeigen sich im Schulalltag (Schülerfirmen, neue AGs.) Die Wirkung von Förderunterricht, Hausaufgabenclubs, MSA-Vorbereitungskursen, Bewerbungsplanung etc. zeigt sich an eintretenden bzw. ausbleibenden Erfolgen. 3. Fellows 3.1 Wer sind die Fellows? Fellows sind junge Akademikerinnen und Akademiker, die als berufliche Tätigkeit zwei Jahre sozial benachteiligte Schüler und Schülerinnen fördern möchten. Sie haben gute bis sehr gute Fachkenntnisse, vielfältige weitere geistige oder praktische Interessen, häufig außergewöhnliche Erfahrungen und Engagements, sind kritikfähig und reflektiert. Sie können einfach, sicher und verständlich kommunizieren, mögen Kinder und Jugendliche, trauen ihnen viel zu und respektieren sie. Pädagogische Tätigkeiten, Lehr- oder Leitungserfahrung sind oft vorhanden, ebenso praktische Fertigkeiten aller Art. Viele Fellows wählen den Teach First Deutschland Einsatz, weil sie gleich zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn direkt an der Verbesserung einer gesellschaftlichen Notlage mitwirken möchten, sie möchten die Bildungsarmut benachteiligter Schüler beheben helfen. Andere lehren mit Begeisterung und möchten mit Jugendlichen arbeiten, aber nicht lebenslang. Wieder andere sind vor allem durch Elemente ihrer eigenen Biographie hoch motiviert, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und Schülern Vorbild, Beispiel und Unterstützung zu geben. 3.2 Wie werden die Fellows qualifiziert? Vor Beginn ihrer Tätigkeit und begleitend durchlaufen die Teach First Deutschland Fellows eine intensive pädagogische Qualifizierung und Weiterbildung. Qualifizierung vor dem Einsatz
Im ersten Jahr liegt der Schwerpunkt der Fortbildung auf der Weiterentwicklung der pädagogischen und didaktischen Fähigkeiten.
Fellows werden von ihren Teach First Deutschland Tutoren hospitiert und laufend beraten, wie sie ihre pädagogischen und didaktischen Fähigkeiten weiterentwickeln können. Darüber hinaus stehen den Fellows Mentorinnen und Mentoren aus dem Kollegium der Schule zur Seite, die die Fellows in die Schule einführen und in der täglichen Arbeit beraten und unterstützen. Alle zwei bis vier Wochen finden Supervisions- und Fortbildungsveranstaltungen statt. 3.4 Besetzen die Fellows reguläre Lehrerstellen? Nein. Teach First Deutschland Fellows sind keine Lehrer und haben ein anderes Tätigkeitsprofil als Lehrkräfte. Sie werden nicht aus Lehrerstundenbudgets finanziert, sondern aus frei einsetzbaren Budgets von Schulen oder Schulträgern. 3.5 Wie funktioniert die Zuordnung der Fellows zu ihren Einsatzschulen? Haben Schulen eine Wahlmöglichkeit? Teach First Deutschland schlägt Schulen einen Fellow vor, dessen Qualifikation zu den in der Bewerbung mitgeteilten Anforderungen und Wünschen der Schule passt. Die Schule kann den Vorschlag annehmen oder um einen weiteren bitten. 4. Details des Schuleinsatzes 4.1 Gibt es feststehende/verbindliche Elemente der Einsatzprofile? Ja. Die Fellows sollen sowohl im Unterricht mitarbeiten oder unterrichten als auch außerhalb des Unterrichts tätig sein. Sie sollen mit möglichst vielen ihrer Schüler regelmäßig und häufig arbeiten, um anspruchsvolle Lernziele kontinuierlich und erfolgreich verfolgen zu können. 4.2 Wie sehen beispielhafte Einsatzprofile des ersten Fellow Jahrgangs aus? Fellow A, Wochenplan 3h Englisch 10. Klasse, Teamteaching 3h Englisch 9. Klasse, Teamteaching 4h Mathematik 9. Klasse 2h MSA-Vorbereitung Englisch 3h MSA-Vorbereitung Mathematik 1h Sozialstation 1h Kunst (Assistenz) 2h Hausaufgabenclub 2h Streitschlichtung 1h Einzelgespräche, Coaching zum Hauptschulabschluss für schwache Schüler 3 Pausenaufsichten Fellow B, Wochenplan 4h Gesellschaftslehre 9. Klasse, Teamteaching 2h Sport (Trainingsraum) 3h Sprachförderung 6.Klasse, Teamteaching 3h Nachhilfeaktion "Schüler helfen Schülern" 2h Deutsch 7. Klasse, Teamteaching, Einzelförderung 2h Unterstützung SV 1h Vorlesen 5./6. Klasse 1h Leseförderung, Einzelförderung 2h Konferenzen Außerdem Elterngespräche, Hausbesuche. Fellow C, Wochenplan 4h Englisch 9. Klasse 4h Mathematik Förderunterricht in zwei 5. Klassen 3h Englisch 10. Klasse, Teamteaching 2h Englisch 9. Klasse, Teilungsunterricht 2h Deutsch Förderunterricht 9. Klasse 3h Gesellschaftslehre,Teamteaching 1h Hospitation Gesellschaftslehre 2h SV Unterstützung 2h AG "Afrika erleben" 1h AG "Kleine Umweltaktionen" 1h Schülerberatung Außerdem Betreuung von Schülerpraktika, Berufsberatung, Betreuung Jumpstyle Crew, Anleitung älterer Schüler zum Erteilen von Förderunterricht. Fellow D, Wochenplan 4h Englisch 7. Klasse, schwächere Schüler 2h Besprechung Umgang 7. Klasse mit Sozialpädagogin 2h Arbeitsstunden 7. Klasse 2h Mathematik 7. Klasse, Kleingruppenförderung 2h Englisch 8. Klasse (Förderunterricht stärkere Schüler) 2h Europa-Kurs 10. Klasse 4h Bereitschaft im Berufsorientierungsbüro 3h Deutsch, 6. Klasse, Leseförderung 2h Deutsch, 5. Klasse (Teil), Förderunterricht 2h Berufsvorbereitung 9.Klasse 2h Schülerzeitung 1 Pause: Vorlesen 5./6. Klasse 4.3 Dürfen Fellows als Vertretungslehrer eingesetzt werden? Grundsätzlich nicht. Fellows müssen ihre Schüler, um sie effektiv fördern zu können, regelmäßig, über einen längeren Zeitraum und möglichst häufig sehen. Für Vertretungsunterricht sollen sie nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. 4.4 Wodurch unterscheidet sich die Tätigkeit als Fellow von der Arbeit der Lehrer? Die Tätigkeit der Teach First Deutschland Fellows enthält viele Elemente der Tätigkeit von Lehrern, in anderer Gewichtung. Dasselbe gilt für die Motivation. Teach First Deutschland Fellows haben sich für ihre zweijährige Arbeit mit den Schülern entschieden, weil sie überzeugt sind, dass viele Schüler mehr Unterstützung brauchen als verfügbar ist, um einen Schulabschluss zu erreichen. Sie sind besonders stark geprägt und geleitet von der Vision, alle Schüler mitzunehmen, für jeden Schüler Lernwege zu finden, benachteiligten Schülern zu helfen, überwindbare Lernhemmnisse zu meistern. Enthusiasmus und Berufsanfängerschwung gepaart mit dem Bewußtsein der zeitlichen Begrenztheit ihres Einsatzes verleihen den Fellows große Kraft und außergewöhnliche Einsatzbereitschaft. Sie verbringen mehr Zeit mit den Schülern bei außerunterrichtlichen Aktivitäten als Lehrer, ohne direkten Lern- und Notendruck, was die Entstehung vertrauensvoller Beziehungen begünstigt und erleichtert. Die Mischung der konkreten schulischen Aufgaben von Fellows lässt mehr Raum für Gespräche, Einzelförderung, Ausprobieren frischer Ideen und originelle Aufbereitung von Unterrichtsstoff als der Arbeitsalltag der meisten Lehrer. Fellows sind meistens weniger als die Hälfte ihrer Anwesenheitszeit an der Schule im Klassenunterricht tätig. 4.5 Können die Fellows eingesetzt werden, um einzelne Schüler speziell zu fördern? Ja. Fellows können zur Einzelförderung besonders schwacher oder auch starker Schüler eingesetzt werden. 4.6 Können die Fellows Funktionsaufgaben übernehmen, für die sie qualifiziert sind (z.B. Öffentlichkeitsarbeit, Beratung in technischen Fragen)? Ja, jedoch sollte dies nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Schule soll Kenntnisse und Erfahrungen der Fellows nutzen können, der größte Teil der übernommenen Aufgaben soll aber direkt der Förderung von Schülern dienen. 5. Bewerbung 5.1 Welche Schulen können Fellows bekommen? Schulen, die in herausfordernden Umfeldern arbeiten und/oder ein hohes Maß an Integrationsleistung erbringen, können sich für eine Programmteilnahme bewerben. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Förderung von Schülerinnen und Schülern an Haupt, Real und Gesamtschulen - es nehmen aber auch Grundschulen und Gymnasien am Programm teil. 5.2 Wie können sich Schulen bei Teach First Deutschland um Fellows bewerben? Schulen, die Interesse an einer Programmteilnahme haben und in einem Einsatzbundesland liegen, können sich hier die Bewerbungsunterlagen herunterladen. Schulen aus Bundesländern, in denen bisher keine Fellows eingesetzt sind, können sich hier registrieren und werden benachrichtigt, sobald der Einsatz von Fellows möglich ist. Für Fragen und weitere Informationen steht das Team von Teach First Deutschland gerne zur Verfügung. 6. Kosten 6.1 Was kostet ein Fellow die Schule? Der Fellow erhält ein Bruttogehalt von ca. 1700€, das je nach Bundesland und Schulträger unterschiedlich finanziert wird, jedoch nicht aus dem Lehrerstundenbudget. 7. Wirkung des Einsatzes Bleiben die Fellows während der gesamten Einsatzzeit an derselben Schule? Ja, die Fellows verbringen die gesamten zwei Jahre an derselben Schule. 7.2 Was passiert nach den zwei Schuljahren eines Fellows mit seinen Projekten? Geplant ist, dass zu Beginn des zweiten Einsatzjahres eines Fellows bereits (mindestens) ein weiterer Fellow an die Schule kommt, so dass die Einsatzphasen sich überschneiden und der nachfolgende Fellow einen Teil der Arbeit des Vorgängers weiterführen kann. Auch wenn der nächste Fellow erst nach zwei Jahren eingesetzt wird, kann ein Teil der Aufgaben des Vorgängers weitergeführt werden. 7.3 Welche langfristige Wirkung hat der Schuleinsatz der Fellows? Erfahrungen von Teach For America und Teach First (England) zeigen, dass bis zu 50% der ehemaligen Programmteilnehmer berufliche Wege im Bildungsbereich einschlagen. Langfristig tragen ehemalige Fellows zu einer Vernetzung von Schulen, Wirtschaft und Gesellschaft bei, indem sie sich auch aus ihren späteren gesellschaftlichen Positionen kenntnisreich für die Belange von benachteiligten Schülerinnen und Schülern einsetzen. 8. Ansprechpartner Wenn Sie mehr über den Einsatz von Teach First Deutschland Fellows an Ihrer Schule erfahren möchten, wenden Sie sich bitte an Arist v. Hehn. |