Wenn Wartezeit Planungssicherheit bedeutet

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Kolja Brandtstedt war der erste Fellow, den das Recruiting-Team von Teach First Deutschland für den Jahrgang 2016 rekrutiert hatte. Bereits ein Jahr vor dem Einsatzstart ist er an Bord der TFD-Familie gekommen. Er erzählt uns, warum das für ihn perfekt passte.

Im Frühjahr 2015 relaxte ich auf meinem Balkon im schönen Haifa, wo ich nach der Kündigung meiner Stelle in Deutschland für die Koalition gegen Rassismus arbeitete, und dachte über meine berufliche Zukunft nach. Bei NGOs wollte ich arbeiten und einen Unterschied machen. Darum bewarb ich mich bereits während meines Aufenthalts auf offene Stellen in Israel und der ganzen Welt. Zumeist wurde ich als Master-Absolvent jedoch als überqualifiziert abgestempelt und gar nicht erst berücksichtigt oder viel zu spät informiert. Was sehr frustrierend war hat sich im Nachhinein allerdings als Glücksfall herausgestellt.

Gesucht: Job im Bildungsbereich

Während meiner Zeit in Haifa unterrichtete ich jeden Freitag palästinensische Kinder in der Nachbarstadt Tamra. Diese Zeit mit den Kindern hat mir verdeutlicht, dass mir das Lehren sehr gefällt, ich etwas bei den Kindern bewegen kann und ich mich deswegen bei der Suche nach neuen Jobs auf den Bildungsbereich konzentrieren wollte. Das tat ich dann auch und bewarb mich sowohl bei Language Must, ein deutsches Spracheninstitut mit Sitz in Neu Delhi, als auch bei Teach First Deutschland. TFD war mir bereits aus meinem Studium und der Lektüre von überregionalen & regionalen Zeitungen bekannt. Bereits damals sprach mich die TFD-Vision an. Gleichzeitig lockte mich die Faszination für das Land nach Indien, außerdem konnte ich dort als DaF-Lehrer (Anm. der Redaktion: Deutsch als Fremdsprache) erste Berufserfahrungen im Bildungsbereich sammeln. Zu der Zeit wusste ich noch nicht, dass ich mit beiden Bewerbungen ins Schwarze traf.

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Kolja (2. von rechts, im blauen Sari) in Indien

Die Bewerbungsfrist bei TFD lief ab, meine Bewerbung war im Pool und TFD äußerst interessiert daran, mich als Fellow zu begrüßen. Für den Start im Sommer 2015 wurde es dann aber doch zu knapp. Fast zeitgleich kam auch die Zusage aus Indien; somit fiel die Entscheidung nicht allzu schwer, meine Bewerbung bei TFD auf den Start im Sommer 2016 zu verschieben. Bereits während meines Aufenthalts in Israel nahm ich die ersten Hürden des Auswahlprozesses, bevor es Anfang August 2015 zum Auswahlgespräch in Berlin kam. Und tatsächlich: Bereits einige Stunden nach dem Gespräch erhielt ich die Zusage und war damit der erste Fellow für den Jahrgang 2016. Eine Last fiel von meinen Schultern und ich freute mich sehr, dass ich mit Zukunftsperspektive in den Flieger gen Neu Delhi steigen konnte. Ich musste nicht erneut Bewerbungen schreiben und mich fragen, was nach der Zeit in Indien kommt. Ich würde diese Entscheidung, obwohl mir danach weitere Angebote ins Haus flogen, jederzeit erneut so treffen.

Wichtige Auslands- und Berufserfahrung

Eigentlich ist es verrückt, bereits ein Jahr vor Arbeitsantritt seinen zukünftigen Arbeitgeber zu kennen, doch mir gab es Sicherheit. Während der „Wartezeit“ sammelte ich wichtige berufliche Auslandserfahrungen im DaF-Unterricht, von denen ich jetzt in den Internationalen Förderklassen an meiner Schule profitiere. Immer wenn ich im vergangenen Jahr erzählte, dass ich nach meiner Zeit in Indien bereits einen Job habe, stieß ich auf Begeisterung, besonders natürlich bei meiner Familie. Zum Teil ist mir sogar Neid begegnet. Vermutlich, weil berufliche Planungssicherheit heutzutage von manchen auch als Luxus angesehen wird. Für mich war es das auch und genauso bin ich jetzt glücklich, endlich den TFD-Einsatz gestartet zu haben und Tag für Tag mit meinen SchülerInnen zu arbeiten.

Kolja Brandtstedt (29) ist Fellow der Klasse 2016 an der Hauptschule Am Dahlbusch in Gelsenkirchen in Nordrhein-Westfalen.