„Über eine Einladung zum Bewerbungsgespräch würde ich mich sehr freuen.“ – So oder so ähnlich enden die meisten Bewerbungsanschreiben. Und wenn man dann tatsächlich eingeladen wird? Die Schüler*innen der Brüder-Grimm-Schule sind durch ein Bewerbungstraining im Oktober 2021 mit den Kooperationspartnern Deutsche Post DHL Group und Accenture für diesen Fall nun gewappnet.

Ein wenig Nervosität lag in der Luft im Klassenraum der 9b an der Brüder-Grimm-Schule in Hamburg, bevor die sechs Volunteers der beiden Kooperationspartner Deutsche Post DHL Group und Accenture eintrafen. Schnell wurde noch einmal kontrolliert, ob Stellenangebot, Lebenslauf und Zeugnis im Berufsorientierungsordner waren. Die Stellenangebote hatten die Schüler*innen entsprechend ihrer Interessen und ihrer Abschlussprognose zuvor im Fach Arbeit und Beruf selbstständig recherchiert.  

Und dann ging es direkt in die Vorstellungsgespräche. Die Volunteers begaben sich jeweils in die Rolle des Arbeitsgebers und waren mal Friseurmeister, mal Fahrschullehrer*in, mal KfZ-Mechatroniker*in oder Alten- und Krankenpfleger*in. So konnten die Schüler*innen hautnah erfahren, wie ein Bewerbungsgespräch in ihrem Berufsfeld abläuft.

„Ich lehne mich bestimmt nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich für alle spreche und sage, dass es uns auch mega viel Spaß gemacht hat. Die Schüler*Innen waren motiviert und gut drauf. Auch war es schön zu sehen, dass es viele Menschen gibt, die diese schwere Aufgabe mit vollem Einsatz vorantreiben. Ganz stark!“

Bewerbungstraining Vorstellungsgespräch an der Brüder-Grimm-Schule Gespräch vorbereitung

„Als Fellow wünsche ich mir, dass meine Schüler*innen sich trauen, für ihre Berufswünsche einzustehen. Das Bewerbungstraining war ein sehr bedeutender Schritt auf diesem Weg. Die Schüler*innen haben ihre Komfortzone verlassen und erfahren, dass das nicht wehtut, sondern sie sogar stolz macht und bestärkt. Beim nächsten Praktikum oder ihrem Ausbildungsplatz werden einige sich bestimmt an anspruchsvollere Bewerbungsprozesse herantrauen und sich auch außerhalb des eigenen Stadtteils bewerben. 

Nach jedem Vorstellungsgespräch nahmen die Volunteers sich Zeit, den Schüler*innen ein ausführliches mündliches und schriftliches Feedback mit auf den Weg zu geben. Die Schüler*innen erhielten wertvolle Tipps für ihre nonverbale Kommunikation im Bewerbungsgespräch und bekamen Rückmeldung dazu, ob sie den Gesprächsfluss aufrecht halten, sich und die eigenen Fähigkeiten gut beschreiben und ihren Berufswunsch glaubwürdig begründen konnten. 

Einige Schüler*innen überraschten die Volunteers mit unerwarteter Professionalität in ihrem allerersten Vorstellungsgespräch. Sich im Vorfeld gut über den Beruf informiert zu haben und intrinsische Motivation für die Stelle zu zeigen, wirkte auf die Arbeitgeber sehr überzeugend. Die Schüler*innen nahmen das Feedback viel ernster als die Korrektur der Klassenarbeit, die meist ungelesen in der Tasche verschwindet. Interessiert verglichen sie ihre Feedbackbögen untereinander und zeigten sie ihren Lehrer*innen.

Bewerbungstraining Vorstellungsgespräch an der Brüder-Grimm-Schule Gespräch

„Das war mega anstrengend- ich war so aufgeregt, aber jetzt bin ich total erleichtert und zufrieden. Das hat mir richtig was gebracht.“

Beim Hospitieren der Bewerbungsgespräche habe ich viele Schüler*innen, die im Unterricht eher herausfordernd oder sehr ruhig sind, ganz anders erlebt. Sie waren selbstbewusst, kamen gut in der ungewohnten Situation zurecht und hatten sehr präzise Vorstellungen von den Anforderungen des Berufes. Das war für mich als Fellow eine ganz besondere Chance und Freude.“ 

Die Zeit vor und nach den Bewerbungsgesprächen wurde von den Schüler*innen rege genutzt, um Fragen zu stellen. Ein Auszubildender der Deutsche Post DHL Group konnte ihnen einen Einblick in den Alltag eines Auszubildenden geben. Außerdem erfuhren die Schüler*innen, wie der Berufsalltag der Volunteers aussieht. Und sie konnten Fragen zu den Vorstellungsgesprächen loswerden, z.B. warum danach gefragt wird, welche Obstsorte man wäre oder welche*r Superheld*in und wie man darauf eigentlich am besten reagieren sollte. 

Die Berufsorientierung für die Klasse 9b ist mit dem Bewerbungstraining natürlich noch nicht abgeschlossen. So werden die Schüler*innen in den kommenden Wochen mithilfe von VR-Brillen die Gelegenheit bekommen, sich ein Bild von weiteren Berufen zu machen, die sie interessieren. Geplant sind außerdem Begegnungen und Fragerunden mit Auszubildenden, um den Schüler*innen die Gelegenheit zu geben, sich noch anschaulicher über Ausbildungsperspektiven zu informieren. 

Bewerbungstraining Vorstellungsgespräch an der Brüder-Grimm-Schule Gespräch tisch

„Es freut mich sehr, dass wir das Ziel erreicht haben und den Schüler*innen eine gute Vorbereitung für ihren zukünftigen Weg mitgeben konnten. […] Danke auch für die wirklich tolle Organisation vor und an dem Tag. Es ist schön zu sehen, dass die Lehre von jungen Menschen in guten Händen ist.“

„In dem Erleben der Schülerinnen und Schüler wird deutlich, warum die Volunteers so wertvoll für Schule sind: sie können die Vorstellungsgespräche authentisch führen!“ 

Doch nicht nur die Schüler*innen haben bei dem Bewerbungstraining viel gelernt, für die Volunteers war es ein besonderer Einblick in Schule. Sie waren beeindruckt von der Heterogenität der Klasse und dem, was die Lehrkräfte leisten. Nicht zuletzt erhielten sie Einblick in die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Berufsorientierung, vor allem aber auf die (Persönlichkeits-)Entwicklung der jungen Menschen. 

Vielen Dank an Deutsche Post DHL Group und Accenture für die gelungene Kooperation und ganz besonders den Volunteers für ihren vorbildlichen Einsatz!

Ines Ayeb ist seit August 2021 als Fellow im Programmschwerpunkt Sicherer Übergang in drei 9. Klassen der Brüder-Grimm-Schule in Hamburgs Osten eingesetzt. Zuvor hat sie in Freiburg Gymnasiallehramt für Mathematik, Französisch und Politik- und Wirtschaftswissenschaft studiert. Neben ihrem Studium begeisterte sie Schüler*innen in Workshops für Themen der politischen Bildung und des Globalen Lernens.  

Ihr Motto als Fellow: „Anker und Mutmacherin für die Schüler*innen sein in einer Zeit der Unsicherheit und zunehmender Bildungsungerechtigkeit!“ 

TFD IAH-porträt