Der diesjährige Alumni:ae-Summit in Dresden steht unter einem guten Stern bzw. unter vielen guten Sternen, denn er findet erfreulicherweise in Präsenz und bis in die Nacht hinein statt und trägt das Motto „Out of Space“. In welche neuen Welten wollen wir uns stürzen und auf Entdeckungsfahrt gehen? Was hat die Zukunft für uns zu bieten? Gemeinsam mit den Alumni:ae richten wir den Blick auf die Zukunft und fragen uns: Was gibt es für Möglichkeiten, die Zukunft zu gestalten – nicht nur im Alumni:ae-Netzwerk, sondern auch bei Teach First Deutschland?​​​​​​​ 

Der Alumni:ae-Summit, den die Alumni:ae wie jedes Jahr in Eigenregie organisierten, findet in der Freien Alternativschule in Dresden statt. In dieser Schule, werden 200 Kinder- und Jugendliche aus den Klassen 1-10 gemeinsam unterrichtet. Wie Teach First Deutschland auch stellt sie sich den Herausforderungen, wie Bildungsgerechtigkeit erreicht werden kann und wie die Schule der Zukunft aussieht. Die Alumni:ae hätten keinen passenderen Ort für den Austausch und das Miteinander auswählen können: Helle, bunte Räume, neues Mobiliar, ein Schulhof mit weitläufigem Gelände, Klettergerüsten, Tischtennisplatte – „eine Schule, wie sich der ein oder die andere Fellow gerne im Einsatz gewünscht hätte“, kommentiert Oliver Lötzke, Alumnus von Teach First Deutschland, der in Dresden im Felloweinsatz war und nun mit dem Mikrofon vorne steht. Auch Alumna Susanne Braun war zwei Jahre lang als Fellow an einer Schule. Zusammen mit ihrem gut gelaunten Co-Moderator Oliver Lötzke, der eine Jacke mit Weltraum-Motiv trägt, führt sie durch den Tag. Gemeinsam stimmen sie auf die Reise in den Kosmos und das Thema „Out of Space“ ein: Eine interaktive Sternenkarte, die verschiedenen thematisch benannten Räume wie Asteriodengürtel, Kommandozentrale, Kidspace oder Mond, in denen die verschiedenen Workshops stattfinden. Bei den Workshops geht es unter anderem um die eigene Heldenreise, die eigene berufliche Karriere, Erkenntnisse aus der Traumaforschung und weiteres mehr. Auch ein Live-Podcast „Nach der großen Pause“ zum Thema „New Work, schöne neue Arbeitswelt“ steht auf dem Programm. In ihrer Moderation fallen Begriffe wie Selbstverantwortung, Verantwortung abgegeben, Verantwortung übernehmen. Das wird beim Summit auch gleich umgesetzt: Für das Catering wurden ausschließlich regionale Produkte besorgt, um den CO2-Abdruck klein zu halten.

Inmitten der Alumni:ae sitzt Sonja Köpke, seit Juni Geschäftsführerin von Teach First Deutschland, und lauscht lächelnd den Worten der Moderator:innen. Es ist ihr erster Alumni:ae-Summit in ihrer Rolle als Geschäftsführerin. Sie schüttelt keine Hände zur Begrüßung, sie umarmt die Alumni:ae mit einem warmen Lächeln: „So schön, dass du da bist!“ Ihre Begeisterung merkt man ihr an: „Wir hatten noch nie einen Summit in Sachsen. Es ist großartig, viele Fellows und Alumni:ae und Teammitglieder vor Ort zu sehen. Es ist eine Zeit zum Austausch und zum Zusammensein, wie sie unser Netzwerk ausmachen und während Covid lange nur digital möglich waren.“

New Work an Schule bringen

So wie Sonja Köpke geht es vielen auf diesem Summit. Das Bedürfnis nach Austausch und Miteinander ist groß. Insbesondere die neuen Alumni:ae hatten in den vergangenen zwei Pandemie-geprägten Jahren viele Herausforderungen in ihrem Fellow-Einsatz. Sie führten neue digitale Lernmethoden ein, schulten zum Teil ihr gesamtes Lehrer:innenkollegium und das Beeindruckendste: Sie blieben, laut Corona-Erhebung, zu 90% mit ihren Schüler:innen all die Zeit über in Kontakt. Es eint sie die gemeinsame Vision gute Bildung zu ermöglichen und Bildungsgerechtigkeit voranzubringen  – auch mit neuen Ansätzen: „Besonders spannend finde ich dieses Jahr die Fragestellung, wie sich New Work an Schule umsetzen lässt, “ sagt Sonja Köpke und ergänzt: „Dieser Ort hier, die Freie Schule, symbolisiert, dass unsere Summits eine Plattform für gemeinsames Lernen bieten.“

Auf die einleitenden Worte der Moderator:innen folgt eine kleine Körper- und Tanzeinheit, erneut angeleitet durch Alumna Susanne Braun. Die selbstständige Moderatorin und Theatermedienpädagogin ist Autodidaktin, hat sich lernend vieles selbst beigebracht. Als die Musik verstummt, ertönt Klatschen. Glückliche Gesichter unterstreichen die losgelöste Atmosphäre des Summits. Der Raum im unteren Geschoss leert sich langsam. Jetzt geht es in die Workshops, eine Etage höher.

In einem der Workshops stellt sich der Verein „Teach First Community e.V.“ vor. Die TFD-Community ist ein Verein für alle Bildungsinteressierten. Schwerpunktmäßig spricht er Fellows und Alumni:ae an und soll ihnen eine Plattform geben, sich für mehr Bildungsgerechtigkeit zu engagieren. Wer mitmachen will, kann mitmachen – unabhängig von einer Teilnahme am Leadership-Programm von Teach First Deutschland.  Auch andere Akteur:innen aus dem Bildungsbereich sind willkommen. Stefan Braun, der vor kurzem erst Alumnus von Teach First Deutschland geworden ist, wollte nach seiner Fellow-Zeit weiterhin aktiv sein, folgte dem Aufruf des Vereins und engagiert sich nun im Vorstand. Er arbeitet bei einer Bank als Geschäftskundenberater und beschreibt sich selbst als Mensch, der gerne mit anderen Menschen in den Austausch geht. Sein Organisationstalent möchte er bei der Teach First Community einbringen und möglichst viele Alumni:ae miteinander zusammenbringen: „Es geht um Potentialentfaltung und die Frage, wie das Netzwerk erweitert werden kann.“ Wenn er an die Welt von morgen denkt, dann wünscht er sich: „Auf jeden Fall eine viel gerechtere Welt, in der alle Kinder in der Schule sein können. Ich wünsche mir, dass auch die Kinder aus sozial benachteiligten Umfeldern die Möglichkeit haben, zu studieren oder einfach dem Job nachzugehen, den sie machen wollen. Damit jede und jeder die Chance hat, das zu werden, was er oder sie machen will“.

Das Bildungssystem revolutionieren

Die Vision des Vereins ist groß. Aus dem zugeschalteten Videocall ergänzt Alumna Jana Eckei, die mit im Vorstand sitzt: „Wir wollen eine starke Stimme bilden, in sehr guter Eigenverantwortung sein und das Bildungssystem revolutionieren“. Um auszudrücken, was sie unter Leadership versteht, bedient sie sich einer Schifffahrtsmetapher: „Leadership ist wie ein Heimathafen, wo sich alle wohlfühlen.“ Während in klassischen Lehrbüchern Leadership mit Führung und Verantwortung gleichgesetzt wird, kommt beim Alumni:ae-Summit sehr stark der Community-Gedanke zum Tragen. „Wir sind in Verbindung“ ist ein Ausdruck, der an diesem Tag oft fällt. Er drückt sich verbal in Worten aus, aber auch in dem Miteinander auf Augenhöhe: „Bei uns bist du in einer großen Gemeinschaft. Du bist dabei mehr Gerechtigkeit im Bildungssystem herzustellen,“ fasst Stefan Braun zusammen.

Einer der Zuhörer im Workshop zur Teach First Community ist Emanuel Wenzel.  Für ihn war der Felloweinsatz der Weg zum Seiteneinstieg als Lehrer. Er arbeitet nun an seiner Einsatzschule in Dresden, in der ihm die Zusammenarbeit mit seinen Schüler:innen und dem Kollegium sehr ans Herz gewachsen ist. Dort unterrichtet er Ethik, Politik und Informatik. Emanuel Wenzel fällt durch seine Größe, mit der er die anderen überragt, und seine bildhafte Sprache auf. Für ihn bedeutet Leadership: „Vor allem einen Blick auf die Stärken anderer zu entwickeln, also nicht wie in einem Orchester und man selbst ist der Dirigent und sagt, wo es langgeht, sondern eher so eine produktive Jam-Session. Es geht darum, einzelne dazu zu befähigen, auf ihrer Bühne zu stehen, ihr Instrument zu spielen, ihre Stärke, ihren Rhythmus zu finden, ihren Jam und sich dann am Ende ganz nach hinten zu setzen und den perfekten Sound der Jam Session zu genießen.“

Eine Jam-Session findet tatsächlich auch auf diesem Summit statt. Draußen auf dem Schulhof. Wer mitmachen will, kann einsteigen – ob per Instrument oder Stimme. Immer mehr Alumni:ae stoßen dazu. Gemeinsam singen sie und verbreiten „etwas Festivalfieber“, wie Susanne Braun die heitere Stimmung beschreibt. Ihr hat die Fellowzeit ein anderes Bild von Leadership eröffnet: „Ich habe erst bei dem Fellow-Einsatz gemerkt, was es für einen Unterschied gibt, zwischen einer sehr autoritären Art der Führung und der Idee, eher ein dialogisches Verhältnis herzustellen. Es gibt nicht einen, der das Sagen hat, sondern man moderiert das gemeinsam und guckt, dass man die Schwarmintelligenz anzapft.“  Das gemeinsame Miteinander, wo jede und jeder einen Platz findet, deckt sich mit dem, was Stefan Braun in Workshop zur Vorstellung der Teach First Community einleitend sagte: „Jeder Mensch hat Talente und die können in der Teach First Community verwirklicht werden. Die Menschen stehen hier im Vordergrund.“

Zugang zu guter Bildung für alle Kinder und Jugendliche

Neben dem Leadership-Gedanken und dem Gestaltungswillen, scheint dies einer der gemeinsamen Nenner zu sein. Für das Miteinander macht sich auch Sonja Köpke stark: „Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam gegen diskriminierende Strukturen angehen, dass Zugang zu guter Bildung für alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland eine Selbstverständlichkeit wird und die Potentiale aller Schüler:innen Entfaltungsräume erhalten.“ Mit Blick auf die Zukunft von Teach First Deutschland sagt sie: „Es wird eine Lernreise bleiben, bei der auch wir als Organisation für aktuelle Entwicklungen und Bedarfe offen bleiben müssen – die Schaffung von gerechten Bildungschancen für alle immer im Blick!“