Die Wünsche des Teams Wortstark.
Die Wünsche des Teams Wortstark.

Wissenslücken in den Kernfächern schließen und Deutsch lernen – und das mit Spaß. Das waren die diesjährigen Lernferien MSAct!, die Jugendliche auf den Mittleren Schulabschluss vorbereiten. Der Vorort-Besuch in Berlin zeigt die enorme Motivation der Schüler*innen und Fellows.

„Und wie geht es dir heute, Lamin?“ Der Jugendliche nimmt die rote Karte vom Boden in der Mitte des Stuhlkreises und hält sie hoch. Einige Kinder fangen an zu lachen, andere fragen gleich: „Warum geht es dir schlecht?“. Auf der Karte ist eine Wolke und starker Regen zu sehen. Es liegen noch weitere Karten in der Mitte. Bewölktes Wetter steht für ‚gut‘, die gelb strahlende Sonne für ’sehr gut‘. Die zehn Kinder sollen nach ihrem Wochenende erzählen, wie es ihnen geht, und als Indikator die Wetterkarten nehmen. Lamin ist der letzte in der Runde, und während alle anderen Kinder die Karten für ‚gut‘ oder ’sehr gut‘ hochgehalten hatten, war er der erste, der die rote wählte. Fellow Julia fragt die lachenden Kinder: „Warum lacht ihr? Vielleicht ist Regen für Lamin etwas Positives. Es gibt viele Leute, die Regen mögen.“ Und so ist es – Lamin kommt aus Gambia. Er möge Regen, denn in der Sonne sei es zu heiß für ihn. Es geht ihm also, wie allen anderen Kindern, gut an diesem Montag Morgen in der Theodor Heuss Schule in Berlin.

Die Kinder sind hier, um in den Sommerferien zu lernen – während einige in den Fächern Mathematik, Englisch oder Deutsch im Vorfeld des Mittleren Schulabschlusses Wissenslücken schließen wollen, wird beim Team Wortstark mit den Grundkenntnissen der deutschen Sprache angefangen. Die Kinder kommen größtenteils aus Syrien, die meisten sind vor sechs bis neun Monaten nach Deutschland gekommen. Es ist erstaunlich und absolut bewundernswert, wie gut sich die meisten nach so kurzer Zeit schon mit der deutschen Sprache arrangieren können. Die Kinder und ihre Familien sind meist traumatisiert von den Erlebnissen, die sie sowohl in ihrem Heimatland, als auch auf dem weiten Weg nach Deutschland machen mussten. Daher, vermutet Lernteam-Leiterin Nora, begreifen die Kinder schnell, dass die deutsche Sprache ihre Chance ist, sich in dieser Zeit der Unbeständigkeit etwas Eigenes aufzubauen.

Keine Lust auf Pause

Die Motivation der Kinder ist unglaublich. Auf den Klebezetteln unter der Überschrift „Unsere Wünsche“ liest man von allen Kindern eines: Sie wollen Deutsch lernen. Als es nach einer intensiven Grammatik-Einheit mit Fellow Julia zum Thema Verben Zeit für die erste Pause ist, ruft Juan: „Nein, keine Pause!“ Er möchte wenigstens weitere Übungen für zu Hause haben.

Teach First Deutschland hat als Reaktion auf die aktuelle Lage in Deutschland das Angebot der Lernferien erweitert: Sowohl die intensive Sprachförderung ist als neuer Bestandteil dazugekommen, als auch das Einbinden von Kindern mit Fluchterfahrung, die noch keinen Schulplatz haben. Lamin und Mahmoud sind zwei von ihnen; sie sind erst kürzlich nach Deutschland gekommen. Da die Kinder in den Lernferien MSAct! in kleinen Gruppen von mehreren Fellows unterrichtet und betreut werden, ist es möglich, dass diese Kinder beispielsweise im Raum nebenan intensiv mit einer/einem Hochschulabsolvent*innen Lesen üben.

Improvisationstalent ist gefragt

Die Unterschiede in den Lernniveaus der Kinder sind sehr groß, berichten die Fellows einheitlich; wodurch eine ausführliche Vorbereitung der Stunden erschwert wurde. So ist ein hohes Maß an Flexibilität und Improvisationstalent für den Unterricht erforderlich. Doch genau aus diesen Gründen sind die Lernferien für die Fellows eine solch wichtige Erfahrung: Zum ersten Mal wird all das in der Sommerakademie Erlernte in der Praxis angewandt, bevor es im Herbst zum Start des neuen Schuljahres in die jeweiligen Einsatzklassen in ganz Deutschland geht. Daher gilt es, dass sowohl Fellows, als natürlich auch alle teilnehmenden Schüler*innen so viel wie möglich aus den zwei Wochen mitnehmen.

Im Team Wortstark, als auch den anderen Lerngruppen, wuchs man jedoch sehr schnell zusammen, sodass all das mit einer Menge Spaß in Angriff genommen und umgesetzt wird. Was dabei herauskommt, ist effektives, individuelles Lernen, das stets mit einer ordentlichen Portion Spaß verbunden ist – kurzum: eine Form des Unterrichts, wie man ihn sich für den Alltag an deutschen Schulen nur wünschen kann.

Autorin: Leonie Birkholz ist Mitarbeiterin bei Teach First Deutschland in der Berliner Zentrale.