Jeder Tag als Fellow bietet neue Herausforderungen – das ist oft anstrengend aber auch toll. Eigentlich gibt es keine Woche, in der alles nach Plan läuft. Nina berichtet, wie ihr Alltag nach fast einem Jahr als Fellow in Hamburg aussieht, was doch plötzlich dazwischenkommen kann und wie sie mit simplen Tricks einen zähen Tag doch noch erfolgreich gestalten kann.

Vor allem meine Montage kosten häufig viel Kraft. Die Kids sind an diesem Tag eigentlich immer ein bisschen schräg drauf – woran das liegen könnte, lässt sich nur mutmaßen. In der fünften und sechsten Stunde bin ich im Matheunterricht dabei, wieder in der 8. Klasse, die besonders viel Liebe und Aufmerksamkeit braucht. Mathe ist in dieser Klasse wirklich besonders anstrengend. Schon zu Beginn des Schuljahres sind sie mit dem Lehrer aneinander gerasselt und viele haben erhebliche Wissenslücken, die sie durch auffälliges Verhalten zu überspielen versuchen. Dass wir überhaupt Stoff durchbekommen, grenzt an ein Wunder. Auch an diesem Montag ging es drunter und drüber. Wir mussten Arbeitsphasen abbrechen, weil keine Ruhe herzustellen war und die Motivation, auch nur Stift und Papier in die Hand zu nehmen, war allgemein sehr schwierig. Super schwierig.

Doch auch in solchen Stunden gibt es kleine Glücksmomente: da ist die Schülerin, mit der ich noch mal die Hausaufgaben durchgegangen bin und die auf einmal überrascht aufruft: „Achsooo, das ist ja ganz einfach..!“ Da ist der Schüler, der noch gesagt bekommt, dass er ab nach den Ferien Englisch-Förderunterricht bei mir hat und sich total drauf freut, obwohl die Klasse insgesamt gerne über mich meckert. Und auch eine Schülerin, die immer guckt als ob sie gerade in eine Zitrone gebissen hätte und die definitiv zu cool ist, um im Unterricht mitzumachen oder freundlich zu sein, aber trotz des größten Aufstands in der Klasse beharrlich ihre Aufgaben macht.

Doch auch in anstrengenden Stunden gibt es kleine Glücksmomente: zum Beispiel eine Schülerin, mit der ich noch mal die Hausaufgaben durchgegangen bin und die auf einmal überrascht aufruft: „Achsooo, das ist ja ganz einfach..!“

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Danach folgte noch eine Doppelstunde Deutsch in meiner anderen 8. Klasse, die eigentlich auch eher träge sind. Das aktuelle Thema – Aktiv/Passiv – löste verständlicherweise wenig Begeisterung aus. Umso schöner und lustiger ist es, dass ich sie an dem Tag ziemlich erfolgreich dazu gekriegt habe, Sätze in den verschiedenen Zeitformen zu schreiben – einfach, indem ich sie einen großen, bunten Würfel habe werfen lassen, um zu entscheiden, welche Form jetzt dran ist. Mich begeistert es immer total, wenn so simple Tricks tatsächlich funktionieren! Tage wie diese, die nicht rundum glatt laufen, aber an denen auch keine größeren Katastrophen passieren, gibt es viele. Ich bemühe mich, an ihnen vor allem die kleinen positiven Momente wahrzunehmen. Denn dann gelingt es mir trotzdem am Ende festzustellen: eigentlich war heute ein guter Tag.

 

 

 

 

 

 

Nina, Fellow 2018
Nina, Fellow der Klasse 2018.