Ann-Christin ist im Sommer 2020 mitten in der Coronazeit als Fellow an ihre Einsatzschule in Hamburg Schule auf der Veddel gekommen. Was sie bewegt hat, ihre Arbeit im IT-Projektmanagement hinter sich zu lassen, welche Sorgen sie vor ihrem Einsatz hatte, wie sich Unterricht im Distanzunterricht gestaltet und welche Rolle die Aurubis AG hierbei spielt, erfahrt ihr in diesem Interview.

Beitrag in Zusammenarbeit von Teach First Deutschland und der Aurubis AG

Interview geführt von Stefanie Klein

Ann-Christin_Krohn_Schild

Ann-Christin Krohn ist Fellow 2020-2022 an der Schule auf der Veddel in Hamburg. Ihr Einsatz wird durch die Aurubis AG gefördert.

Zur Erinnerung: Wer ist Teach First Deutschland und was macht eigentlich ein Fellow?

„Wir von Teach First Deutschland möchten, dass jedes Kind in Deutschland die Schule mit einem Abschluss und dem festen Glauben an den eigenen Erfolg verlässt. Wir sind vor über 10 Jahren angetreten, um Kindern und Jugendlichen eine Stimme zu geben, für sie eine Lobby zu bilden und uns für ihre Bedürfnisse stark zu machen. Fellows bringen durch ihre unterschiedlichen Studienabschlüsse fachfremde Expertise und Engagement mit, durch die sie sowohl den Unterricht als auch den Ganztag bereichern. Gerade in der aktuellen Situation wird einmal mehr deutlich, wie relevant die Arbeit unserer Fellows an Schulen ist. Eines der wichtigsten Tätigkeitsfelder von ihnen ist die Beziehungsarbeit zu den Kindern und Jugendlichen. Sie helfen ihnen, sich auch außerhalb der Schule zu motivieren und zu lernen und können durch die emotionale Bindung Ängste und Sorgen der Kinder und Jugendliche besser auffangen. Außerdem wurden im letzten Jahr die digitalen Defizite an den deutschen Schulen noch einmal präsenter. Fellows können niedrigschwellig helfen, indem sie unterstützen den Unterricht zu digitalisieren, die Lehrkräfte im Umgang mit den digitalen Medien schulen und sich um Anschaffung und Einrichtung von mobilen Endgeräten kümmern.“

Julia Sondermann, Regionalleitung Nord

„Persönliches“

Ann-Christin und Bianca Petri

Ann-Christin, was hast du vor Teach First gemacht? Was war deine Intention Fellow zu werden?

Ich habe dual Wirtschaftsinformatik studiert und danach im IT-Projektmanagement bei der ECE gearbeitet. Ich habe nach einer neuen Herausforderung gesucht, bei der ich mich für gesellschaftlich relevante Themen einsetzen kann.

Durch meinen Studienhintergrund unterstütze ich auch die Kolleg*innen in ihrer Arbeit mit den Laptops und Tablets. Unter anderem arbeite ich gerade weiter an dem Digitalkonzept für die iPads an der Schule, was Anfang 2020 von Student*innen der HSBA in Kooperation mit Aurubis ausgearbeitet worden ist. Somit können die iPads vor allem in der iPad-Klasse eingesetzt werden. Diese iPads und Laptops stehen für die Ausleihe für den Distanzunterricht bereit.

Worauf freust du dich besonders in deinem Einsatz?

Ich freue mich darauf, direkt mit Menschen zusammen arbeiten zu können, sie dabei zu begleiten, sich zu entwickeln, Potenziale zu entfalten und die „Früchte“ dann auch zu sehen.

Welche Fächer begleitest Du und wie kann man sich Deine Arbeit vorstellen?

Ich bin hauptsächlich in den ESA-Abschluss-Klassen, den beiden 9. Klassen. Dort unterstütze ich überwiegend in Mathe und Englisch. Im Wahlpflichtkurs Informatik kann ich mein Vorwissen aus Studium und Job gut einbringen.

Zum Teil arbeite ich mit Kleingruppen, in denen ich individuell auf Fragen und Tempo der einzelnen Schüler*innen eingehen kann. Ein anderes Beispiel sind Einzelarbeitsphasen, in denen ich Fragen kläre oder die Erklärung nochmal wiederhole. In anderen Stunden habe ich auch schon Teile des Unterrichts übernommen oder mich um Unruhepole gekümmert, damit der Unterricht weiterlaufen kann.

Was waren deine ersten Eindrücke von der Schule und deinen Schülerinnen und Schülern?

Ein toller Eindruck von der Schulleitung und dem Kollegium, viele engagierte und herzliche Kolleg*innen. Durch den kleinen Standort ist es sehr herzlich und man kennt sich. Das Gebäude ist denkmalgeschützt, dadurch werden leider einige Sachen eingeschränkt und der Raum ist einfach begrenzt. Ich habe aber den Eindruck, dass aus dem was da ist, sehr viel rausgeholt wird.

Hattest du bereits einen tollen Moment mit deinen Schülerinnen und Schülern, der dir in Erinnerung bleiben wird?

Ich habe viele kleine Momente. Jede Woche notiere ich mir das Highlight der Woche, das sind kleine Handlungen wie ein Lächeln, ein Einschlagen, ein Nicken, weil der Stoff verstanden wurde oder aber auch Schülerstimmen wie „Können Sie nicht für immer hier sein?“

„Fellow-Dasein in Corona-Zeiten“

Kann man sagen, wie viele schlechter lernen konnten bzw. benachteiligt waren? Hat die Schulschließungen Folgen mit sich gebracht, die sich negativ auf den Abschluss deiner Schülerinnen und Schüler auswirken? Wenn ja, welche?

Aus meiner Sicht hat niemand davon wirklich profitiert. Erklärungen konnten nicht im Detail gegeben werden, Zuhause fehlt oft die Unterstützung. In Extremfällen gibt es kein Internet Zuhause, die Eltern sprechen kaum Deutsch und können dadurch schwer unterstützen und es steht kein Arbeitsplatz zur Verfügung. Andere haben ältere Geschwister, die unterstützt haben und konnten dadurch die Aufgaben gut bearbeiten. Aktuell konnten wir viele Laptops für den Distanzunterricht verleihen, die dank Aurubis beschafft werden konnten und sehr helfen im Homeschooling. Es gibt einen großen Lernrückstand. Dieser hat auch dafür gesorgt, dass viele Schüler*innen im letzten Jahr den Abschluss nicht geschafft haben. Insgesamt waren die Schulschließungen nicht positiv für die Schüler*innen und einiges an Schulstoff muss nachgeholt werden.

Helfen zusätzliche Programme, wie z.B. die von der MUT Academy angebotenen MUT-Camps zur Berufsvorbereitung?

Diese zusätzlichen Möglichkeiten der Unterstützung in diesem Bereich helfen der Schule sehr. Anstelle der MUT Camps (Anm. der Redak.: 5-tägige Lernreisen in Jugenherbergen, inkl. simulierter ESA-Abschlussprüfung) versuchen wir in diesem Jahr mit kleinen Präsentationstrainings und Bewerbungsvorbereitungen die Schüler*innen optimal zu unterstützen.

„Sicherer Übergang: Herausforderungen, Abschluss & Ausbildung“

MUT zu Besuch an der Schule auf der Veddel 1

Von wie vielen deiner Schülerinnen und Schüler weißt du, dass sie bereits einen Ausbildungsplatz haben?

Die Schüler*innen der 9. Klasse sind noch nicht so weit, was Ausbildungsplätze angeht. Das startet meist mit Beginn des zweiten Halbjahres. Insgesamt ist die Schule gut aufgestellt, was Berufsorientierung angeht. Es stehen zwei Kollegen zur Beratung zur Verfügung, die auch an der Berufsschule aktiv sind. Die Schüler*innen können sich zum Thema Berufsfindung, Ausbildungsplatzsuche und Bewerbungsschreiben an diese Kollegen wenden. Hinzu kommt eine neu bewilligte Stelle für eine Berufseinstiegsbegleitung für unsere Schüler*innen, die die Schüler auf dem Weg in das Berufsleben unterstützt. Das ergänzt das Angebot und unterstützt insbesondere die leistungsschwächeren Schüler*innen.

Stefanie Klein, Aurubis AG

Für Aurubis ist diese gemeinsame Kooperation mehrerer Engagements, die wir fördern, sehr wertvoll. Wir freuen uns besonders, die Schule auf der Veddel, als langjährigen Partner in der Nachbarschaft mit Support durch Teach First und der MUT Academy, direkt unterstützen zu können. Es begeistert uns, hier die Synergien aus weiteren sozialen Bildungsinitiativen, bei denen wir uns engagieren, nutzen zu können. „together we care“ ist unser Motto im Bereich des sozialen Engagements. Gerade in herausfordernden Zeiten liegt uns der Zusammenhalt besonders am Herzen!

Liebe Ann-Christin, vielen Dank für Deine so großartige Unterstützung direkt im Stadtteil. Wir werden in den nächsten Monaten noch einmal berichten, wie es Dir im Laufe Deiner Zeit bei der Schule auf der Veddel ergeht.