Max Kimmich ist seit September Fellow im Sprachlehrer-Programm an der Justus-von-Liebig-Schule in Mannheim. Dort unterrichtet der Soziologe in drei Sprachanfänger-Klassen. Im Interview erzählt er vom Start in den Einsatz und den Herausforderungen der ersten Wochen.

Maximilian KimmichDas Thema Flucht und die Arbeit mit Geflüchteten sind Max vertraut. Vor seinem Fellow-Einsatz hat er für die NGO Handicap International in Schulklassen Workshops zu Behinderung, Flucht und das Leben in Nachkriegsregionen durchgeführt. Daher ist er auch nicht ganz neu im Kontext Schule, aber im Gegensatz zum zwei- oder dreimaligen Einsatz im Monat früher ist er nun tagtäglich dort unterwegs. Als Fellow im Sprachlehrer-Programm ist er für ein Jahr an der Justus-von-Liebig-Schule in Mannheim und unterrichtet in drei VABO-Klassen, die je zur Hälfte mit Geflüchteten und Schüler und Schülerinnen aus anderen europäischen Ländern besetzt sind. Sein Ziel: Langfristig, intensiver und wirksamer mit einer Schülergruppe arbeiten, sie einfach besser kennenlernen können. Um Max und seine Arbeit besser kennenzulernen, wird er während der nächsten Monate auf diesem Blog aus seinem Einsatz erzählen.

Max, was ist nach der ersten Zeit im Einsatz deine größte Erkenntnis?
Es klingt vielleicht banal, aber es macht mir wirklich sehr viel Spaß, in der Klasse zu stehen und somit da zu sein, worauf man monatelang vorbereitet wurde und sich überlegt hat, wie das wohl sein wird. Gleichzeitig ist der Einsatz auch in vielen Punkten unerwartet und anders, als ich mir das gedacht habe. Mir begegnet unheimlich viel Neues. Und ich sehe Dinge, wo es noch Luft nach oben gibt.

Hast du ein Beispiel für etwas, was besonders gut lief und für etwas, wo du noch Potenzial siehst?
Was gut lief, ist, dass ich in die Lehrerrolle gut reingefunden habe und mich vor den Schülern und Schülerinnen sehr wohl fühle, dass die Sachen, die ich mit ihnen plane, gut klappen, sie Spaß dabei haben und gern in die Schule und in meinen Unterricht kommen. Und natürlich auch, dass sie im Deutschlernen bereits Fortschritte gemacht haben. Das nehme ich als gutes Zeichen dafür, dass die Richtung, die ich eingeschlagen habe, stimmt. Aber ich merke auch, dass es eine Herausforderung ist, 20 Stunden zu unterrichten. Ich brauche schon noch viel Zeit für die Vorbereitung und es hat auch etwas gedauert, sich mit dem ganzen Kontext Schule auseinanderzusetzen und da reinzukommen. Ich überlege beispielsweise immer wieder, was ich in einer Stunde wirklich schaffen kann und was nicht. Was ist zu viel, was zu wenig und wie hole ich alle ins Boot. Denn in meinen Klassen ist das Leistungsniveau sehr unterschiedlich. Manche Schüler und Schülerinnen waren sogar noch nie in der Schule. In so einem heterogenen Umfeld allen gerecht zu werden, da will ich noch besser werden.

In welchen Klassen bist du denn eingesetzt?
Ich bin momentan in drei VABO-, also Sprachanfängerklassen, eingesetzt, mit jeweils 12 bis 20 Schülern und Schülerinnen. Von meinen 20 Stunden sind 17 Stunden Deutschunterricht, 2 Stunden Lebensweltbezogene Kompetenzen und eine Stunde Mathe. Ich gebe jede Stunde alleine und eigenverantwortlich. Was gut ist, ist, dass meine Schule schon sehr viel Erfahrung mit diesen Klassen hat, die gibt es dort seit rund 15 Jahren. Aktuell sind es sieben Klassen, was wirklich viel ist. Daher weiß man aber dort, was man tut, und die Lehrer sind unheimlich engagiert. Von ihnen kann ich sehr profitieren und lernen. Wir arbeiten auch alle eng zusammen, da wir uns jede dieser Klassen meist in der Verantwortlichkeit teilen. Das ist eine super Unterstützung.

Das klingt, als wärest du gut angekommen an deiner Schule.
In jedem Fall. Ich habe bisher nur gute Erfahrungen mit den Kollegen und Kolleginnen gemacht. Jede meiner Fragen hat eine Antwort bekommen und auch die Schulleitung hat großes Vertrauen in mich gesetzt und mir relativ großen Freiraum gelassen, was genau ich machen will. Insofern komme ich sehr gern in die Schule, die übrigens drei Standorte hat. Da ich an zweien eingesetzt bin, habe ich mit vielen Kollegen und Kolleginnen zu tun und ich konnte zu vielen bereits eine gute Beziehung aufbauen.

Was hat dich als erstes an der Schule positiv überrascht?
Vor allem die Kollegen und Kolleginnen. Ich wusste ja nicht, ob mir von dieser Seite aus eventuell Ablehnung entgegenkommt, weil ich über einen anderen Weg an die Schule komme als sie. Darüber hinaus ist die Schule insgesamt sehr engagiert. Es gibt viele Projekte im Musik- oder Sportbereich.  Auch wird alljährlich ein interkulturelles Essen auf die Beine gestellt. Außerdem es gibt eine Mountainbike-AG, eine sehr aktive Schulband und einige Kunstprojekte. Dieses vielfältige Engagement für die Schüler und Schülerinnen hat mich beeindruckt.

Wenn es schon so viele Projekte gibt, was heißt das denn für deine Projektideen?
Im Moment ist die Zeit dafür noch nicht so richtig da. Aber ich hänge mich an bereits bestehende Projekte dran und versuche diese mit weiterzuentwickeln. Zum Beispiel kümmere ich mich bei dem interkulturellen Essen um Deko und Musik, gemeinsam mit den Schülern.

Und was hast du dir als nächstes vorgenommen in deinem Einsatz?
Ich will noch stärker in die Routine reinkommen, damit sich alles richtig einschleift und damit ich auch mehr über Projektarbeit nachdenken kann. Ein Thema, was mich da beschäftigt, ist, dass die VABO-Klassen keinen Sportunterricht haben, aber viele Schüler gerne Sport machen wollen. Ich bin dann schonmal mit einer Gruppe Fußballspielen gegangen. Das würde ich gerne intensivieren und mich noch mehr an den Interessen der Schüler orientieren.  Einige Ideen habe ich dafür schon im Hinterkopf – mal schauen, was sich im neuen Jahr umsetzen lässt.